26. November 2020

Visionäre in Sachen Windenergie

Die sowento GmbH entstand aus einer Ausgründung der Universität Stuttgart. Heute beschäftigt sich das internationale und multidisziplinäre Team unter anderem mit der Lidar-Regelung für Windenergieanlagen und freischwimmenden Offshoreanlagen.

Fortschrittliche Regelungslösungen und neueste Simulationstechniken zur Gestaltung nachhaltiger Energiesysteme für morgen haben sich die Gründer von sowento auf die Fahnen geschrieben. Wiege des Unternehmens, das seinen Hauptsitz in Stuttgart hat, mit Büros in Flensburg und Delft, ist der Lehrstuhl für Windenergie (SWE) an der Universität Stuttgart.

Der heutige Geschäftsführer Dr. Steffen Raach erinnert sich: „In unserer Forschungsgruppe gab es schon lange die Idee der Firmenausgründung. Wir fünf Gründer haben zusammengearbeitet, uns gut verstanden und schließlich entschieden: Wir machen das jetzt.“ Während manche Kolleginnen und Kollegen in den Norden zogen, wo es für die Experten in Sachen Windenergie viele Arbeitsmöglichkeiten gibt, blieben Steffen Raach, David Schlipf, Florian Haizmann, Holger Fürst und Frank Lemmer im Süden. Die Gründungsinteressierten suchten die Technologie-Transfer-Initiative GmbH der Universität Stuttgart (TTI) auf, die zentrale Anlaufstelle für Gründungsinteressierte von der Uni. Dort bekamen sie Informationen und Hilfestellung zu allen wichtigen Punkten für ihren weiteren Weg.

Unternehmensgründer forschten zunächst parallel weiter am Institut

„Als Spin-off des Instituts haben wir bei der TTI einen Patenschaftsvertrag unterschrieben, dann konnte es schon losgehen“, erzählt Raach. Parallel forschten und arbeiteten die Unternehmensgründer weiter am Institut. Die Mehrarbeit habe allen jedoch durchaus Spaß gemacht, betont er und fährt fort: „Von Anfang an haben wir alles eigenfinanziert, und wir konnten dank unserer Industriekontakte aus einer recht sicheren Position heraus starten.“ Kein Wunder, denn was sowento anzubieten hat, betrifft vornehmlich neue Technologien, die von anderen Ingenieurberatern nicht in dieser Form angeboten werden.

Die zukünftige Offshore Windenergieerzeugung: Vernetzte und smarte Windenergieanlagen auf Schwimmplattformen produzieren Elektrizität als optimiertes Gesamtsystem.

Foto: sowento GmbH

Bindeglied zwischen Forschung und Industrie

Das Portfolio des multidisziplinären Teams von sowento umfasst Technologien rund um die Windenergie – für On- und Offshoreanlagen wie auch für Plattformen im Meer oder Windparks – Machbarkeitsstudien, Simulationen, Software-Lösungen, Systementwurf und -analyse, Regelungstechnik und Datenauswertung. „Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen Forschung und Industrie“, erklärt Steffen Raach und verweist auf einen der großen Erfolge des Unternehmens: „Für den chinesischen Windkraftanlagenhersteller Goldwind konnten wir die erste Windenergieanlage mit der Lidar-Regelung versehen.“ Die Lidar-Technologie, ein laser-optisches Fernerkundungsverfahren, ermöglicht es, auf Distanz die Windgeschwindigkeiten zu ermitteln. Alle Regelungsparameter der Windkraftanlage können so auf das Windfeld eingestellt werden, bevor dieses die Anlage erreicht. In der Folge lassen sich windinduzierte Lasten reduzieren, können Windkraftanlagen materialsparender gebaut und deren Energieausbeute erhöht werden. Dieselbe Technologie ist auch für schwimmende Offshore-Anlagen sehr nützlich. Die neuartigen freischwimmenden Anlagen sind das zweite Standbein von sowento. Für sie bieten die unabhängigen Ingenieure fortschrittliche Simulationsstudien und Regler an.

 

We dream of a just world in which renewable energies are strong and a sustainable energy supply is available to everybody.

sowento’s vision

Mehrfach wurden David Schlipf und Frank Lemmer für ihre Doktorarbeiten ausgezeichnet. David Schlipf, der inzwischen an der Hochschule Flensburg eine Professur innehat, arbeitet bei sowento im Bereich „Lidar-Technologie für Windkraftanlagen“, Frank Lemmer leitet den Bereich „Schwimmende Anlagen“.

Zusammen mit der Gründung der sowento GmbH stand 2018 der Einzug in eigene Büroräume an. „Das war aber nur der Start, mittlerweile haben wir Kollegen und Kolleginnen die an den unterschiedlichsten Orten arbeiten“, sagt Steffen Raach und betont die effektive Zusammenarbeit des internationalen Teams, das sich aus acht Ingenieurinnen und Ingenieuren und auch Studierenden zusammensetzt. Bei sowento hat man die Pandemie früh wahrgenommen – lange bevor das Virus in Europa ankam, mussten asiatische Partner in den Lockdown. Trotz der widrigen Umstände und resultierenden Herausforderungen weiß Steffen Raach jedoch durchaus von Erfolgen in diesem Jahr zu berichten. So konnte sowento zum Beispiel ein wichtiges Projekt des Carbon Trust JIP zum Thema Modellierung und Standards für schwimmende Offshore Windenergieanlagen gewinnen.

Selbstständigkeit nicht bereut

„Bereut habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit nicht“, sagt Steffen Raach. Selber gestalten, Verantwortung übernehmen, flexibel sein, das sei viel wert. Und dann sei da noch die Windenergie Community mit ihrer offenen und freundlichen Zusammenarbeit, die man auch bei sowento lebt. Der Kontakt zu den Kunden ist von Vertrauen geprägt, deren Probleme werden lösungsorientiert und transparent angegangen. Als Ziele für die Zukunft erklärt Steffen Raach, man wolle die Themenfelder Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien durch Innovationen voranbringen.

 
 
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