In unserem kürzlich veröffentlichten Artikel “Theorizing typologies of entrepreneurial ecosystems” in Small Business Economics: An Entrepreneurship Journal gehen wir genau dieser Frage nach.
Bisherige Typologien unterscheiden Gründungsökosysteme meist anhand ihrer Branche, ihres Entwicklungsstadiums oder ihrer Ressourcenausstattung: beispielsweise anhand des verfügbaren Kapitals, vorhandener Talente, Gründungsaktivität oder ihres Wachstums. Diese Unterschiede allein können jedoch nicht erklären, warum Städte wie Sofia oder Wroclaw ressourcenreichere Städte wie Melbourne oder Dubai übertreffen können.
In unserem Artikel stellen wir daher eine andere Perspektive vor. Wir argumentieren, dass sich Unterschiede zwischen Gründungsökosystemen anhand zweier Dimensionen verstehen lassen: der strukturellen Dichte (structural thickness), die sich auf die Interdependenz und Dichte der Verbindungen zwischen Akteuren und institutionellen Faktoren innerhalb eines Gründungsökosystems bezieht, und dem räumlichen Fokus (locus of focus), der die räumliche Orientierung der Akteure beschreibt.
Aus der Kombination dieser beiden Dimensionen ergeben sich vier grundlegende Typologien von Gründungsökosystemen: embedding, emerging, exploring und extreme growth. Wichtig ist dabei, dass keiner dieser Typologien grundsätzlich besser ist als die andere. Vielmehr repräsentieren sie unterschiedliche Ausprägungen von Gründungsökosystemen, die jeweils verschiedene Formen von Gründungsaktivitäten unterstützen können.
Zur Veranschaulichung der Typologie wenden wir sie auf 748 Städte in 102 Ländern an. Mit diesem Ansatz möchten wir zu einem besseren Verständnis einer seit Langem bestehenden Frage in der Forschung zu Gründungsökosystemen beitragen: Warum erscheint der Zusammenhang zwischen den Ressourcen eines Gründungsökosystems und seinen Gründungsaktivitäten in bisherigen Studien so uneinheitlich? Vielleicht betrachten wir keine "broken clock", sondern "multiple clocks, each telling a different time." Diese Gründungsökosysteme können koexistieren.
Für politische Entscheidungstragende bedeutet dies, sich von der bloßen Übertragung vermeintlicher „Best-Practice“-Modelle zu lösen. Stattdessen sollten Interventionen damit beginnen zu analysieren, welcher Typ von Gründungsökosystem an einem bestimmten Ort bereits besteht und welchen Typ politische Entscheidungstragende und Akteure des Gründungsökosystems haben wollen.
Die Zusammenarbeit an dieser Forschung mit Ben Spigel, Maksim Belitski und Andreas Wahl war eine großartige Erfahrung. Wir verstehen dieses Paper als Ausgangspunkt für zukünftige empirische Untersuchungen und insbesondere für die Frage, ob und wie sich Gründungsökosysteme im Zeitverlauf in ihrer Typologie verändern.
Sophia Behr
Dr. rer. pol.Wiss. Mitarbeiterin